© 2021 Stefan Lasch
12. LP PUHDYS "Das Buch" Melodie & Rhythmus 08/1984 Autor:Stefan Lasch
Das Buch“, die zwölfte LP der PUHDYS, ist ein nachdenken über unsere Zeit, über Menschen, über den großen und kleinen Frieden. Gegliedert in zehn Kapitel sind es Erfahrungen zwischen Rock `n` Roll und Kriegsangst oder, um im Heine Gestus des 2. Titels der A Seite zu formulieren, `Nachtgedanken`. Und das scheint mir auch der inhaltliche Kern, die Absicht dieser LP zu sein, den Hörer anzuregen, dieses Nachdenken mit eigenen historischen, persönlichen und aktuell politischen Erfahrungen anzureichern. Da stehen Titel, die sich mit dem Alt Werden nicht nur im physischen Sinn beschäftigen neben Liedern für das Leben, für den Frieden. So unterschiedlich die Inhalte dieser LP, so unterschiedlich auch die Qualität und Machart der einzelnen Kapitel, sprich Titel. Wenn sich bei der „Elften“ aktuelle musikalische Tendenzen abzeichneten, so ist das „Buch“ eher als traditionell zu bezeichnen. Das mag Neuhits–Fetischisten verärgern, ich empfinde es aber als durchaus legitim, wenn eine Band, die ihre Ausdrucksskala gefunden hat, immer wieder darauf zurückgreift. Die LP beginnt mit „1984“, einem Instrumentalstück, dessen Inhalt jeder selbst ausdeuten sollte. Ich werte es als wirkungsvolle Vorspann bzw. Blendenmusik. Einen Text Musik Kontrast liefert „Ich will nicht vergessen“ (Birr, Meyer / B. Lasch). Liest man den Text, so baut sich die Erwartung nach einem schwergewichtigen Rockwerk auf. Doch Dieter Birr und Peter Meyer brechen die Heine Adaption, indem sie locker, beschwingte, mitmachfreundliche Töne setzten. Ich kann mir gut vorstellen, das die Zeile ich will nicht vergessen“ sehr schnell und lautstark vom PUHDYS Fan mitgesungen werden. Ein Wirkungsmechanismus, der nicht der schlechteste ist. „Die Wärme der Nacht“ (Hertrampf / W.Tilgner) verriet mir dagegen kaum etwas wirkungsvolles. Es ist anzunehmen, dass dieses Stück wegen der gesanglichen Abwechslung Dieter Hertrampf singt auf die Platte kam. Allerdings aufregend ist es nicht, ein Ruhepunkt ? In „Angstverkäufer“ (Birr, Meyer / K.Taubert) wird noch einmal wie im vorangegangenen Titel mit Reggae Elementen geliebäugelt und kaum merklich zur PUHDYS typischen Vierviertel Markierung übergegangen. Leider kleben die Bläser zu sehr an den Vierteln, so das alles etwas hausbacken wirkt. Geschickt dagegen die Geschichte, die erzählt wird. Bilder, die keiner Übersetzung bedürfen. Ein anderes Nachdenken wird in „Die Boote der Jugend“ (Birr, Meyer / Birr) vollzogenen, wenngleich auch nur mit musikalisch durchschnittlichen Mitteln. Verstehen wir es als Vorspiel zu „Das Buch“, die neue Hymne der PUHDYS. Es lässt sich darüber streiten, ob nun Dieter Birr als Sprecher unter die Haut geht, den Vorwurf der schlechten „ch“ Sprechweise muss er sich gefallen lassen. Hier fehlt mir Pathos, das eigentlich beabsichtigt war und durch den chorisch angelegten und ausklingenden Optimismus auch vorgeführt wird.
Gleich wie man die Details beurteilt, ich finde solche Lieder wichtig und emotional erregend. Vielleicht nicht gerade zu Haus unter Kopfhörern, dafür aber umso mehr im Konzert unter vielen. Ich weiß nicht, ob es den PUHDYS langsam auf die Nerven geht, die Wortspielereien mit ihrem Alter. Die „Rockerrente“ ist die ironische Antwort. Auf Titulierungen wie „Altrocker“ kann man eben nur mit Reimereien wie „Leib und Soul“ auf „Rock`n` Roll“ oder mit „Rockerrente“ auf „Ente“ reagieren. Mein einziger Kommentar zu diesem Stück: „Es ist das einzig Wahre, sie rocken bis zur Bahre“. Nach dem charakteristischen PUHDYS Gitarrenschluss der „Rockerrente“, folgt der Keyboard Einstieg zu „Niemand wird so wieder werden“ (Jeske / C.Din), das dritte Durchschnittslied dieser Platte. Raffinierter dagegen die „Bauernhochzeit“ (Birr, Meyer / Birr), weil nicht so gemeint, wie es sich gedruckt liest. Diesen Titel muss man eben mit der Musik genießen. Bleibt nur zu hoffen, das sich der eine oder andere Bauer nicht getroffen fühlt und gegen den Text zu Felde zieht. Mit „Schlaf mit mir“ (Birr, Meyer / Birr) dürfte den PUHDYS wieder ein Stück tanzbare Musik gelungen sein, das seine Berechtigung durch den Einsatz in Diskotheken erhält. Der letzte Titel dieser LP „Das Märchen“ (Birr, Meyer / B. Lasch) erinnert zunächst musikalisch an „Alt wie ein Baum“ und konfrontiert mit dem schöpferischen Problem: Anspruch und Realität beim Schreiben von Liedern. Wenn die „Zwölfte“ der PUHDYS auch nicht einen spontanen Lobesschrei loslässt, so liegt das auch an ihrer Vorgängerin. „Das Buch“ reiht sich ohne zu klemmen, aber auch ohne besonderen Glanz in die Plattensammlung mit dem Aufdruck PUHDYS ein. Jeder kann sich seine Kapitel herausnehmen, hat die Chance, über Banalitäten und Absichten zu streiten, findet auf und anregendes. Vielleicht sehe ich das falsch, aber es schiene mir doch recht vermessen, Enttäuschung zu formulieren und die „Computerkarriere“ außer acht zu lassen. „Das Buch“ klingt genauso gut, hat mindestens zwei Hits und den Zeitgeist, den wir von engagierter Rockmusik erwarten. Darüber zu sinnieren: da hätten sie doch; warum dies und jenes nicht; wo bleibt das Maßstabsetzen, halte ich für Zeitverschwendung. Mit 15jähriger Rockerfahrung wissen die PUHDYS wohl selbst am besten, was sie auf der 13. LP bringen müssen, um sich nicht unterkriegen zu lassen.
12. PUHDYS LP „Das Buch Melodie & Rhythmus 08/1984 Autor:Stefan Lasch „Das Buch“, die zwölfte LP der PUHDYS, ist ein nachdenken über unsere Zeit, über Menschen, über den großen und kleinen Frieden. Gegliedert in zehn Kapitel sind es Erfahrungen zwischen Rock `n` Roll und Kriegsangst oder, um im Heine Gestus des 2. Titels der A Seite zu formulieren, „Nachtgedanken“. Und das scheint mir auch der inhaltliche Kern, die Absicht dieser LP zu sein, den Hörer anzuregen, dieses Nachdenken mit eigenen historischen, persönlichen und aktuell – politischen Erfahrungen anzureichern. Da stehen Titel, die sich mit dem Alt Werden nicht nur im physischen Sinn beschäftigen neben Liedern für das Leben, für den Frieden. So unterschiedlich die Inhalte dieser LP, so unterschiedlich auch die Qualität und Machart der einzelnen Kapitel, sprich Titel. Wenn sich bei der „Elften“ aktuelle musikalische Tendenzen abzeichneten, so ist das „Buch“ eher als traditionell zu bezeichnen. Das mag Neuhits Fetischisten verärgern, ich empfinde es aber als durchaus legitim, wenn eine Band, die ihre Ausdrucksskala gefunden hat, immer wieder darauf zurückgreift. Die LP beginnt mit „1984“, einem Instrumentalstück, dessen Inhalt jeder selbst ausdeuten sollte. Ich werte es als wirkungsvolle Vorspann bzw. Blendenmusik. Einen Text Musik Kontrast liefert „Ich will nicht vergessen“ (Birr, Meyer / B. Lasch). Liest man den Text, so baut sich die Erwartung nach einem schwergewichtigen Rockwerk auf. Doch Dieter Birr und Peter Meyer brechen die Heine Adaption, indem sie locker, beschwingte, mitmachfreundliche Töne setzten. Ich kann mir gut vorstellen, das die Zeile ich will nicht vergessen“ sehr schnell und lautstark vom PUHDYS Fan mitgesungen werden. Ein Wirkungsmechanismus, der nicht der schlechteste ist. „Die Wärme der Nacht“ (Hertrampf / W.Tilgner) verriet mir dagegen kaum etwas wirkungsvolles. Es ist anzunehmen, dass dieses Stück wegen der gesanglichen Abwechslung Dieter Hertrampf singt auf die Platte kam. Allerdings aufregend ist es nicht, ein Ruhepunkt ? In „Angstverkäufer“ (Birr, Meyer / K.Taubert) wird noch einmal wie im vorangegangenen Titel mit Reggae Elementen geliebäugelt und kaum merklich zur PUHDYS typischen Vierviertel Markierung übergegangen. Leider kleben die Bläser zu sehr an den Vierteln, so das alles etwas hausbacken wirkt. Geschickt dagegen die Geschichte, die erzählt wird. Bilder, die keiner Übersetzung bedürfen. Ein anderes Nachdenken wird in „Die Boote der Jugend“ (Birr, Meyer / Birr) vollzogenen, wenngleich auch nur mit musikalisch durchschnittlichen Mitteln. Verstehen wir es als Vorspiel zu „as Buch“, die neue Hymne der PUHDYS. Es lässt sich darüber streiten, ob nun Dieter Birr als Sprecher unter die Haut geht, den Vorwurf der schlechten „ch“ Sprechweise muss er sich gefallen lassen. Hier fehlt mir Pathos, das eigentlich beabsichtigt war und durch den chorisch angelegten und ausklingenden Optimismus auch vorgeführt wird. Gleich wie man die Details beurteilt, ich finde solche Lieder wichtig und emotional erregend. Vielleicht nicht gerade zu Haus unter Kopfhörern, dafür aber umso mehr im Konzert unter vielen. Ich weiß nicht, ob es den PUHDYS langsam auf die Nerven geht, die Wortspielereien mit ihrem Alter. Die „Rockerrente“ ist die ironische Antwort. Auf Titulierungen wie „Altrocker“ kann man eben nur mit Reimereien wie „Leib und Soul“ auf „Rock `n` Roll“ oder mit „Rockerrente“ auf „Ente“ reagieren. Mein einziger Kommentar zu diesem Stück: „Es ist das einzig Wahre, sie rocken bis zur Bahre“. Nach dem charakteristischen PUHDYS Gitarrenschluss der „Rockerrente“, folgt der Keyboard Einstieg zu „Niemand wird so wieder werden“ (Jeske / Din), das dritte Durchschnittslied dieser Platte. Raffinierter dagegen die „Bauernhochzeit“ (Birr, Meyer / Birr), weil nicht so gemeint, wie es sich gedruckt liest. Diesen Titel muss man eben mit der Musik genießen. Bleibt nur zu hoffen, das sich der eine oder andere Bauer nicht getroffen fühlt und gegen den Text zu Felde zieht. Mit „Schlaf mit mir“ (Birr, Meyer / Birr) dürfte den PUHDYS wieder ein Stück tanzbare Musik gelungen sein, das seine Berechtigung durch den Einsatz in Diskotheken erhält. Der letzte Titel dieser LP „Das Märchen“ (Birr, Meyer / B. Lasch) erinnert zunächst musikalisch an „Alt wie ein Baum“ und konfrontiert mit dem schöpferischen Problem: Anspruch und Realität beim Schreiben von Liedern. Wenn die „Zwölfte“ der PUHDYS auch nicht einen spontanen Lobesschrei loslässt, so liegt das auch an ihrer Vorgängerin. „Das Buch“ reiht sich ohne zu klemmen, aber auch ohne besonderen Glanz in die Plattensammlung mit dem Aufdruck PUHDYS ein. Jeder kann sich seine Kapitel herausnehmen, hat die Chance, über Banalitäten und Absichten zu streiten, findet auf und anregendes. Vielleicht sehe ich das falsch, aber es schiene mir doch recht vermessen, Enttäuschung zu formulieren und die „Computerkarriere“ außer acht zu lassen. „Das Buch“ klingt genauso gut, hat mindestens zwei Hits und den Zeitgeist, den wir von engagierter Rockmusik erwarten. Darüber zu sinnieren: da hätten sie doch; warum dies und jenes nicht; wo bleibt das Maßstabsetzen, halte ich für Zeitverschwendung. Mit 15jähriger Rockerfahrung wissen die PUHDYS wohl selbst am besten, was sie auf der 13. LP bringen müssen, um sich nicht unterkriegen zu lassen.