© 2021 Stefan Lasch
Es gibt schon eigenartige Erscheinungen in der Popmusik. Da entschließt sich ein Sänger nach einigen Irrungen und Wirrungen des Bandlebens, Solist zu werden, besinnt sich seiner schon fast vergessenen Sangesart und deklassiert in fast jeder Hitparade seine Konkurrenten. Was Wunder, wenn so schnell wie Amiga möglich, gesammeltes Werk (Produzenten Rundfunk der DDR, Titel drei Amiga) in Venyl erschien. Ralf Bursy ist für mich so ein Phänomen. Er vereint offensichtlich jene Eigenschaften, die seine Zielgruppe liebt. Er verfügt über einen gewissen Sex-Appeal, auch in der Stimme, singt von Liebe und Mädels, meditiert über das komplizierte Leben eines Popsängers und verbreitet einen Hauch Wehmut. Eindrücke nach dem ersten Hören. Was mich zunächst erstaunt hat, war das bescheidene Quantum an neuen Liedern. Außer „Schläfst du schon“, „Kalte Augen“, „Himbeermund“ und „Hinter dem Spiegel“ haben die anderen Produktionen ihren Publikumserfolg schon nachgewiesen. Sozusagen eine „Best-of- Platte ? Ich tendiere mehr zu „Das gesammelte Werk des R.B. Die Anfänge“. Was zur Folge hat, das es Bursys Grenzen deutlich macht. Neben dem Gesang, den Kompositionen spielte Bursy Gitarrenparts, Bassfiguren, Keyboardflächen, Percussions-Elemente selbst ein, und er programmierte auch seinen Drum-Computer. Mit den Gitarristen Bernd Römer, Reinhard Petereit und Charlie Eitner holte er sich effektvolle Zwischenstückespieler, und Rene Deckers Saxophon gibt dem Titlel Schläfst du schon“ einen Hauch von Abwechslung. Bliebe noch Lothar Kramer zu erwähnen, der bei „Feuer im Eis“ die Tasten drückt. Trotzdem unterscheiden sich alle zehn Titel nur wenig voneinander. Natürlich hat jedes Stück eine andere Melodie, ein anderes Tempo, doch das Konstruktionsprinzip ist in jedem Lied erkennbar. Und da schöpft meiner Meinung nach Ralf Bursy noch nicht alle Möglichkeiten aus. Er kann mehr als nur sehnsüchtig wehmütig singen. An irgendeiner Stelle wären mal andere Klangfarben effektvoller gewesen. Was andererseits ausschließt, das Ralf Bursy seine Anhängerschaft mit Ungewohntem konfrontiert. Er klingt eben immer so wie in seinem Solo-Einstieg „Eh die Liebe stirbt“ lamentoso. Der bislang erzielte Erfolg gibt dem Produzenten, Walter Cikan, und natürlich dem Interpreten recht. Warum nicht erfolgreiches ausschlachten – andere machen es ja auch. Den besten Eindruck hinterließ bei mir die Neufassung des Titels „Warten in der Dunkelheit“. Charlie Eitner lieferte mit seinem Gitarrenspiel das Fundament des Arrangements, und Ralf Bursy strebt mit seiner Sangesart jener viel beschworenen Einheit zwischen Text und Musik entgegen. Dieses Beispiel hätte anregen können, um andere Bursy-Lieder neu zu fassen, um das eine oder andere Glanzlicht dieser Platte aufzusetzen. So sind es nur die Titel „Schläfst du schon“, und „Kalte Augen“, die Bursy doch einmal mit anderen Nuancen zeigt.
Unterschiedlich bewerte ich die Texte. Fünf Autoren versuchen, Gefühl und Anspruch des Solisten in Worte zu kleiden. Das Modell „Eh die Liebe stirbt“ entdeckt man in den meisten Liedern wieder. Ralf Bursy singt von jenen zwischenmenschlichen Beziehungen, vom Suchen und Leiden der Liebe. Nichts aufregendes, aber auch nichts was man dem Interpreten anlasten müsste. Ich erwarte von Ralf Bursy keine schwergewichtigen, philosophierenden Aussagen. Er bedient dich er Mittel des Schlagers (wer beim lesen des Wortes noch immer negative Assoziationen hochkommen lässt, sollte Pop einsetzen), und bewegt sich auch in dessen Dimensionen. Neues hat er jedenfalls nicht eingebracht. Vielleicht gelingt es ihm einmal Texter (einer reicht ja) zu finden, die ihm neues Liebes- Gedankengut unter die Noten schreiben. Kaum anfreunden konnte ich mit dem Refrain in „Schläfst du schon“: mein Liebes schläfst du schon, hier komt dein heimlicher Star, die absolute Sensation. Greif nach den Sternen über dir, weil die gleichen sind wie hier …“, was will der Dichter uns damit sagen? Ich weiß es nicht. Ebenso gelang es mir nicht hinter den Sinn der Sprachbilder in „Hinter dem Spiegel“ zu steigen: „… in deinem Spiegel-Tausendschön / Spiegel an der Wand / hinter dem Spiegel schön zu sehn, liegt ein Sonnenland/draußen drehen Winde stark und kalt / werden Wunder mit Scheck bezahlt / neunzehn ist verdammt lang alt/worauf man wartet kommt nicht so bald/draußen zählt was man kann und hat / teilt mein und dein/ teilt ein und ab / gern wird in schwarz und weiss gemalt/ und wo es glatt geht liegt Asphalt / bleib in deinem Spiegel- Tausendschön …“. „Wind im Gesicht“ ist eine gefällige, kaum auffällige, aber gut klingende und etwas uniform wirkende Platte. Sie veranlasst mich nicht, in Jubel auszubrechen, provoziert mich auch nicht, hintergründig zu sinnieren, ob und überhaupt oder warum nicht Das, was Bursy bedienen will, bedient er konsequent, und wer nicht bedient sein will, stellt diese Platte ohnehin nicht in seine Sammlung.
1. LP Ralph Bursy Melodie & Rhythmus 12/1987 Autor:Stefan Lasch
1. LP Ralph Bursy Melodie & Rhythmus 12/1987 Autor: Stefan Lasch Es gibt schon eigenartige Erscheinungen in der Popmusik. Da entschließt sich ein Sänger nach einigen Irrungen und Wirrungen des Bandlebens, Solist zu werden, besinnt sich seiner schon fast vergessenen Sangesart und deklassiert in fast jeder Hitparade seine Konkurrenten. Was Wunder, wenn so schnell wie Amiga möglich, gesammeltes Werk (Produzenten Rundfunk der DDR, Titel drei Amiga) in Venyl erschien. Ralf Bursy ist für mich so ein Phänomen. Er vereint offensichtlich jene Eigenschaften, die seine Zielgruppe liebt. Er verfügt über einen gewissen Sex-Appeal, auch in der Stimme, singt von Liebe und Mädels, meditiert über das komplizierte Leben eines Popsängers und verbreitet einen Hauch Wehmut. Eindrücke nach dem ersten Hören. Was mich zunächst erstaunt hat, war das bescheidene Quantum an neuen Liedern. Außer „Schläfst du schon“, „Kalte Augen“, „Himbeermund“ und „Hinter dem Spiegel“ haben die anderen Produktionen ihren Publikumserfolg schon nachgewiesen. Sozusagen eine „Best- of- Platte ? Ich tendiere mehr zu „Das gesammelte Werk des R.B. Die Anfänge“. Was zur Folge hat, das es Bursys Grenzen deutlich macht. Neben dem Gesang, den Kompositionen spielte Bursy Gitarrenparts, Bassfiguren, Keyboardflächen, Percussions- Elemente selbst ein, und er programmierte auch seinen Drum- Computer. Mit den Gitarristen Bernd Römer, Reinhard Petereit und Charlie Eitner holte er sich effektvolle Zwischenstückespieler, und Rene Deckers Saxophon gibt dem Titel Schläfst du schon“ einen Hauch von Abwechslung. Bliebe noch Lothar Kramer zu erwähnen, der bei „Feuer im Eis“ die Tasten drückt. Trotzdem unterscheiden sich alle zehn Titel nur wenig voneinander. Natürlich hat jedes Stück eine andere Melodie, ein anderes Tempo, doch das Konstruktionsprinzip ist in jedem Lied erkennbar. Und da schöpft meiner Meinung nach Ralf Bursy noch nicht alle Möglichkeiten aus. Er kann mehr als nur sehnsüchtig wehmütig singen. An irgendeiner Stelle wären mal andere Klangfarben effektvoller gewesen. Was andererseits ausschließt, das Ralf Bursy seine Anhängerschaft mit Ungewohntem konfrontiert. Er klingt eben immer so wie in seinem Solo-Einstieg „Eh die Liebe stirbt“ lamentoso. Der bislang erzielte Erfolg gibt dem Produzenten, Walter Cikan, und natürlich dem Interpreten recht. Warum nicht erfolgreiches ausschlachten – andere machen es ja auch. Den besten Eindruck hinterließ bei mir die Neufassung des Titels „Warten in der Dunkelheit“. Charlie Eitner lieferte mit seinem Gitarrenspiel das Fundament des Arrangements, und Ralf Bursy strebt mit seiner Sangesart jener viel beschworenen Einheit zwischen Text und Musik entgegen. Dieses Beispiel hätte anregen können, um andere Bursy-Lieder neu zu fassen, um das eine oder andere Glanzlicht dieser Platte aufzusetzen. So sind es nur die Titel „Schläfst du schon“, und „Kalte Augen“, die Bursy doch einmal mit anderen Nuancen zeigt. Unterschiedlich bewerte ich die Texte. Fünf Autoren versuchen, Gefühl und Anspruch des Solisten in Worte zu kleiden. Das Modell „Eh die Liebe stirbt“ entdeckt man in den meisten Liedern wieder. Ralf Bursy singt von jenen zwischenmenschlichen Beziehungen, vom Suchen und Leiden der Liebe. Nichts aufregendes, aber auch nichts was man dem Interpreten anlasten müsste. Ich erwarte von Ralf Bursy keine schwergewichtigen, philosophierenden Aussagen. Er bedient dich er Mittel des Schlagers (wer beim lesen des Wortes noch immer negative Assoziationen hochkommen lässt, sollte Pop einsetzen), und bewegt sich auch in dessen Dimensionen. Neues hat er jedenfalls nicht eingebracht. Vielleicht gelingt es ihm einmal Texter (einer reicht ja) zu finden, die ihm neues Liebes-Gedankengut unter die Noten schreiben. Kaum anfreunden konnte ich mit dem Refrain in „Schläfst du schon“: mein Liebes schläfst du schon, hier kommt dein heimlicher Star, die absolute Sensation. Greif nach den Sternen über dir, weil die gleichen sind wie hier …“, was will der Dichter uns damit sagen? Ich weiß es nicht. Ebenso gelang es mir nicht hinter den Sinn der Sprachbilder in „Hinter dem Spiegel“ zu steigen: in deinem Spiegel-Tausendschön / Spiegel an der Wand/hinter dem Spiegel schön zu sehn, liegt ein Sonnenland/draußen drehen Winde stark und kalt / werden Wunder mit Scheck bezahlt/neunzehn ist verdammt lang alt/worauf man wartet kommt nicht so bald/draußen zählt was man kann und hat/ teilt mein und dein/ teilt ein und ab / gern wird in schwarz und weiss gemalt/ und wo es glatt geht liegt Asphalt/ bleib in deinem Spiegel-Tausendschön …“. „Wind im Gesicht“ ist eine gefällige, kaum auffällige, aber gut klingende und etwas uniform wirkende Platte. Sie veranlasst mich nicht, in Jubel auszubrechen, provoziert mich auch nicht, hintergründig zu sinnieren, ob und überhaupt oder warum nicht Das, was Bursy bedienen will, bedient er konsequent, und wer nicht bedient sein will, stellt diese Platte ohnehin nicht in seine Sammlung.